Wir brechen Nordindien ab!

An dieser Stelle hätte eigentlich der nächste Reisebericht zu „Delhi“ kommen sollen. Bevor wir aber damit loslegen, gibt es ganz andere Neuigkeiten, die wir zuerst mit euch teilen möchten: Wir haben unsere Reise durch den Norden Indiens abgebrochen. Was uns dazu bewegt hat, und wo wir stattdessen bald sein werden, erfahrt ihr auf den nächsten Zeilen.

Für eine Reise nach Indien muss man gewissermassen „ready“ sein. Es ist nicht wie Amerika, wo überall alles zu haben ist und man mal einfach in sein Mietauto sitzt und losfährt. Geschweige denn, die vielen Vorurteile, die man mal einfach so über Board werfen muss, um sich auf das Ganze einzulassen und auch die vielen „Da würde ich niemals im Leben hingehen“-Kommentare, mal so einfach an sich abprallen lassen muss. Ja, so ready fühlten wir uns im Dezember. Wir waren gefasst, auf das was kommen wird und sind mit grosser Vorfreude nach Indien aufgebrochen. Wurden wir enttäuscht? Nein – keinesfalls. Im Gegenteil, es war wirklich wunderschön! Dementsprechend positiv waren wir bei der Ausreise nach Sri Lanka auch gestimmt- überzeugt, dass uns auch der Norden packen und auf seine eigene Art sicher begeistern wird. Und dann kam da diese wunderbare Zeit in Sri Lanka. Ein so viel kleineres Land, deutlich weniger Leute, was Alles ein bisschen familiärer und einfacher machte und plötzlich war da nach einem Monat das komische Gefühl „Und jetzt wieder Indien…?!?“. Aber Delhi überraschte uns echt: so viel vorab – eine wirklich sehenswerte Stadt, viel mehr entwickelt als Mumbai und ein für Indien-Verhältnisse fast schon minimales Chaos. Diese Eindrücke stimmten uns wieder völlig positiv und das komische Bauchgefühl war auch wieder weg.

Und dann kam „Agra“, die Stadt mit dem prächtigen „Taj Mahal“, der aber auch ein Ruf voraus eilt: die dreckigste Stadt überhaupt zu sein – und ganz ehrlich, es war wirklich unübertrieben etwa genau so (oder fühlte sich gemessen an dem, was wir bis jetzt gesehen haben, so an). Jedenfalls verging bei diesem Anblick und total nervösen Chaos echt die Lust, da noch ein paar Meter durch die Stadt zu schlendern und wir verliessen das Hotel auch nur, um zwei Mal zum Taj Mahal zu gehen (dazu folgt dann natürlich auch noch ein separater Beitrag). Und „Varanasi“? Ja wenn man denkt es geht nicht mehr schlimmer… Der Tag in der Stadt am heiligen Fluss „Ganges“ war dann irgendwie definitiv zu viel: es herrschte ein so enormes Chaos, viel zu viele Menschen und Eindrücke, die wirklich schwer zu verdauen sind. Wir konnten dieser – für die Menschen so heiligen – Stadt echt nicht viel abgewinnen.

Dann war sie auf einmal da, diese innere Stimme, die uns sagte, dass wir das nicht mehr länger sehen brauchen. Wir machen diese Reise freiwillig, wir sind solange in das Abenteuer Indien eingetaucht, wie wir uns wohl gefühlt haben und jetzt ist aber auch irgendwie gut. Vielleicht merken wir später auch, dass es eine Kurzschlussreaktion war, aber im Moment fühlt es sich als absolut richtig an, diesen Teil des Landes zu verlassen. Die letzten Tage spielten sich mehr oder weniger echt nur in den Wänden unserer Hotels ab (abgesehen von Delhi natürlich) – der sehr guten Hotels. Wieso? Nicht weil wir es besonders schön haben mussten und richkids 😉 sind, sondern weil uns wichtig war, uns sicher zu fühlen. Und wir hätten in Agra und Varanasi echt nicht ein Hotel gesehen, wo wir sonst mit gutem Gefühl hätten absteigen wollen. Ja, natürlich könnten wir die Reise so fortsetzen – wir haben das grosse Glück zu Zweit zu reisen, wodurch ein sehr gutes Hotel auch affordable wird. Aber die Sache mit der Unterkunft ist eine, da gibt es auch immer die allgegenwärtige Frage zum Transport – wie gehen wir weiter? Zugtickets können online nur mit einem speziellen Account gebucht werden – wir habens probiert, der Versuch lief aber ins Leere. Also bleibt nichts anderes übrig, als die Tickets vor Ort zu buchen. Tickets für die auch schon sehr oft Wochen im Voraus ausverkauften Züge. Oder, man bucht sich einen Fahrer – aber wo? Den angeblichen Touristenbüros ist nicht über den Weg zu trauen (dazu an anderer Stelle mehr), so bleibt nur noch der Gang zum Traveldesk des Hotels. 5*-Hotel = 5*-Preise versteht sich von alleine. Auch hier ist nichts gratis. Und eine indische „Rauchbekanntschaft“ von Patrick sagte vor einigen Tagen sehr treffend: Als Europäer mag Indien sehr billig sein – wenn man aber auch hier ein bisschen Standard haben möchte, kann es auch schnell teuer werden. Wie wahr!

Und weil uns das momentan ganz einfach nicht mehr glücklich macht, brechen wir aus dem Ganzen aus. Aber wohin? Das Ausreisedatum ist gesetzt, und die Kosten für die Flugtickets wollen wir nicht verfallen lassen. In ein anderes Land zu gehen und auf die Ausreise wieder zurückzukehren ist nicht möglich, weil wir nur ein double-entry Visum haben. Also gehen wir an den Ort, der wohl am untypischsten indisch überhaupt ist: Goa. Wir könnten mit der Entscheidung nicht glücklicher sein, an den Ort zurückzukehren, der uns sooo sehr gefallen hat. Am wunderschönen Strand von Palolem wartet wieder die gleiche Unterkunft mit Blick auf den Sonnenuntergang auf uns, gutes Essen (frischer Fisch!) und die pictureperfect Palme direkt vor unserer Bungalow-Türe. Es fühlt sich so richtig an und nach einer Nacht in Delhi fliegen wir wieder in dieses kleine Paradies.

Goa_Palolem_28

Für Alle, die den Norden kennen und innerlich aufschreien „Ihr verpasst so viel“ – wir verpassen nicht alles. „Jaipur“ ist als Abflugort gesetzt und wir nehmen das „Holi“-Festival nach wir vor mit, da dieses am Tag vor unserer Abreise ist. Natürlich werden wir auch so noch einen Tag sicher einbauen um uns die Stadt anzusehen. Und es wäre auch zu schade, eine der wohl letzten Möglichkeiten, Tiger in freier Wildbahn zu sehen, sich entgehen zu lassen. Also wir kommen wieder zurück, beschränken uns aber auf das für uns „Wichtigste“.

Delhi_QtabMinar_1

Love, S & P

14 Gedanken zu “Wir brechen Nordindien ab!

    • Liebe Cécile,
      Danke für Deinen Kommentar – wir sind uns absolut einig: es ist unsere Reise und wir entscheiden ganz alleine wann wir wo unterwegs sein möchten. Für den Moment war der Norden einfach zu viel aber bereits Ende Monat gehts nochmals zurück – wir sind gespannt darauf und freuen uns, wenn Du auch diese Beiträge fleissig verfolgst. Liebe Grüsse aus dem Strandparadies Palolem:)

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  1. Sid der def. ned die einzige! Jenny ond eg händ z’Agra au Krise gha. Die Lüüt…. Ongloublech ond Stadt het nüt z’biete osser de Taj Mahal! Varanasi hämer eus ned mol a do, aber ha scho sehr vel Negativs ghört… Mer sind när au nach Goa. 🙂 Rajasthan esch zom Glück andersch. Wird üch sicher besser gfalle, als Agra ond Varanasi. Jaipur esch en cooli Stadt! Wiiterhin e gueti Reis! 🙂

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    • Oh, das duet grad guet z ghöre, dass das ou üch z vöu esch gsi 😉 A welem Strand siter en Goa gsi? Öbrigens: All die Sache wo du üs ufe Wäg metgäh hesch, hämmer scho mehreri mol prima chöne bruuche. Aso es riise Danke nomou 😊

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